Konrad Spies, Projektmanager

"In Ungarn bauen wir mit einem deutschen Partnerunternehmen die Fertigung komplexer Maschinen auf. Für unser Partnerunternehmen und dessen ungarische Mitarbeiter ist diese Aufgabe sowohl vom technischen Anspruch als auch von der Art der Auftragsabwicklung völlig neu.

Es treffen nun die deutschen Mitarbeiter mit klarem Verständnis über einzuhaltende Regeln, einzuhaltende Vorschriften und Termine sowie klarem Aufgabenverständnis aber keinerlei Kenntnis der ungarischen Sprache auf ungarische Kollegen. Diese sind gerade mal sieben Autostunden oder eine Flugstunde von Süddeutschland entfernt, also wird man wohl ziemlich Gleichgesinnte antreffen? Die Überraschung kann dennoch groß sein, vor allem wenn man berücksichtigt, dass die meisten Deutschen Ungarn allenfalls von einem Urlaub am Balaton oder in Budapest kennen. Die deutschen Klischees sehen in Ungarn den Paprika, den Tokajer und die Puszta und die romantisch-galanten- höflichen ungarischen Menschen mit ihren ausgeprägten Ä-Lauten und rollendem R.

Man darf also davon ausgehen, dass sich ein Fertigungsbetrieb, sofern er klar strukturiert und organisiert ist, überall, also auch in Ungarn aufbauen lässt. Das stimmt im Allgemeinen, ist aber dennoch nicht die ganze Wahrheit weil „schöne“ Prozesse ohne die angemessene Berücksichtigung der beteiligten Menschen nicht wirklich gut funktionieren können.

Wie gewinnt man also die Ungarn, die

  • Deutsch oder englisch sprechen, aber damit noch lange nicht alles verstehen
  • In ihrem Zeitgefühl nicht kontinuierlich auf ein Ergebnis hin arbeiten, sondern gerne einen kräftigen Endspurt vorsehen um Termine halten zu können
  • Die lieber kreative Wege zur Lösungsfindung suchen als strenge Vorschriften einzuhalten
  • Die gerne gute Ideen vortragen, aus Höflichkeit diese aber nicht mit dem „deutschen“ Nachdruck vertreten
  • Die überzeugte Ungarn im Sinne von Kultur, Geschichte und Sprache sind, von dessen Bedeutung man als unvorbereiteter Deutscher keine Vorstellung hat
  • Die sich üblicherweise duzen, sich sehr gut kennen und zueinander selten aggressiv sind und locker und höflich miteinander umgehen?

Zu diesem Zweck wurde für zwei deutsche Mitarbeiter, die sich für längere Zeit in Ungarn aufhalten werden, ein eintägiges Interkulturelles Training Ungarn von Frau Gyöngyi Varga abgehalten. Zur Begleitung und zur häuslichen Vertiefung war ein ausführliches Handout vorbereitet.

Nach einer Einführung in die Begrifflichkeit der interkulturellen Kommunikation und der Darstellung signifikanter Beispiele hierzu folgte ein Abriss über die ungarische Kultur, Geschichte und Sprache.

In der Folge wurden das Bild der Deutschen von den Ungarn und das Bild der Ungarn von den Deutschen, basierend auf wissenschaftlichen Umfragen, dargestellt. Die obigen Gegensätze kamen hierbei zur Sprache und es wurden Lösungswege zum erfolgreichen Umgang miteinander aufgezeigt.

Die Veranstaltung war erfolgreich und hat Spaß gemacht. Es darf von einem eintägigen Seminar keine erschöpfende Behandlung der Thematik erwartet werden, der Einstieg ist allerdings sehr gelungen und die wesentlichen Aspekte wurden vermittelt.

Frau Varga hat den großen Vorteil, dass sie als Ungarin mit langjährigem Lebensmittelpunkt in Deutschland den Brückenschlag authentisch herstellen kann. Sie verbindet fachliche Kompetenz und didaktische Fähigkeiten mit einem ausgeprägten Sprach- und Kulturverständnis beider Kulturen.

Es ist also derzeit in Vorbereitung, ein gemeinsames Interkulturelles zweisprachiges Teamtraining der deutschen mit den ungarischen Kollegen unter Leitung von Frau Varga durchzuführen.

Meines Erachtens sollte der eher informellen Einführung in die ungarische Kultur und die Problematik der interkulturellen Kommunikation immer eine Vertiefung in Form eines gemeinsamen Workshops folgen. Vorstellbar wäre weiterhin ein begleitendes Coaching bei aktuellen Problemstellungen. Hierzu stand und steht Frau Varga auch nach dem Seminar zur Verfügung.

Aktueller Zwischenstand: Faktisch gesehen ist die Zusammenarbeit mit den ungarischen Kollegen gut und erfolgreich, die oben geschilderten Gegensätze sind allerdings täglich zu beobachten und bedürfen angemessener Berücksichtigung."

Konrad Spies, Giesecke & Devrient GmbH, München
Projektmanager

2018 © Gyöngyi Varga